Bild: ©Gabriele Schneider

Text: ©Sybille Buchwald

 

Geheimer Garten

 

 

Ein warmes Sonnenlicht durchflutete den geheimen Garten, der allerdings  Menschen mit trüben Augen verborgen blieb. Das Herz dieser Menschen pulsierte unregelmäßig und schnell, da sie dem Druck des Alltags, den sie empfanden, zu sehr ausgesetzt waren.

 

Der Garten wartete förmlich darauf, entdeckt zu werden, von Mensch und Tier. Denn hier war ein Ort der Ruhe und Besinnlichkeit, die jedes Wesen beim Betreten dieses Ortes sofort erfasste. Wohltuende Stille umgab diesen  Garten und wer ihn betreten hatte, fand zu sich selbst. Er war für jedermann offen und lud jeden Wanderer ein, ihn zu betreten. Damit er seine volle Schönheit und Pracht nicht verlor, waren Wächter aufgestellt. Freundliche Katzen, Hund, Wichtel, selbst ein Karpfen nahe dem Haus der Besinnung, waren am Aufpassen beteiligt.

 

Kinder und Tiere entdeckten diesen geheimen Garten schnell. Sie waren rein und ihre Sinne für das Schöne unverfälscht und offen.

 

Eines Tages betrat ein kleines Mädchen, namens Lilly diesen Ort und augenblicklich fühlte sie sich wohl und ging los, den Garten zu erkunden, fernab von der Hektik ihres Zuhauses. Sie begrüßte jeden Baum, jeden Strauch, jede Blume und natürlich die Wächter des Gartens.

 

Irgendwann setzte sich Lilly unter einen Baum und wurde traurig. Die Katze Esada bemerkte dies sofort und rieb ihr Köpfchen leise schnurrend an ihre Beine. „Was fehlt dir? Gefällt es dir nicht in unserem Garten“, fragte Esada. „Doch schon, aber weißt du ich suche schon den ganzen Tag meine Filina. Sie war auf einmal von der Koppel verschwunden.“ Antwortete Lilly traurig. „Filina, wer ist das?“ fragte Esada und schnurrte eine Runde lauter, um Lillys Beine.

 

„Filina ist mein Pferd. Sie ist noch nie weggelaufen.“ Esada  überlegte nicht lange und lächelte. „Ist deine Filina hellbraun mit langer dunkler Mähne?“ fragte die Katze. „Oh ja, so schaut sie aus. Hast du sie gesehen?“ fragte Lilly freudig erstaunt. „Wenn du weiter durch den Garten gehst, am Haus und dem großen Teich vorbei und noch weiter, ich glaube dann wirst du sie finden.“ schnurrte Esada vergnüglich zu dem Mädchen.

 

Lilly machte sich sofort auf den Weg, aber nicht vorher vergessend, Esada dankbar zu streicheln.

Je tiefer sie in den Garten vordrang, desto mehr veränderte sich die Landschaft. Sie kam auf eine große Wiese, auf der viele Olivenbäume standen.

 

Lilly schaute und schaute, doch sie konnte Filina nirgends entdecken. Ein alter knorriger Olivenbaum sah sie fragend an. Lilly ging direkt auf ihn zu, denn er sah alt und weise aus.

Sie berührte seine Rinde und fragte: „Hast du meine Filina gesehen. Ich suche sie schon den ganzen Tag und weiß einfach nicht, wo ich sie finden kann.“ sprach Lilly zu dem alten Baum. Der alte Olivenbaum schüttelte sacht seine Blätter und sprach: „Ja, ich habe deine Filina gesehen. Sie sprang über diese Wiese und machte einen fröhlichen Eindruck.“

 

„Wo kann ich sie finden? Bitte hilf mir, lieber Baum“, sagte Lilly. „Nun, der Weg ist gar nicht so weit. Siehst du den Hügel dort? Hinter dem letzten Baum kommst du in ein Tal. Dort wird sie vermutlich sein. Denn es ist ein stilles Plätzchen und zum Grasen ist reichlich vorhanden.“ sprach der alte Baum.

 

Lilly bedankte sich herzlich und drückte ganz fest den alten Stamm. Dann rannte sie los, sie konnte es kaum erwarten, ihre Filina wieder zu haben. Als sie oben am Hügel leicht aus der Puste ankam, erblickte sie im Tal ihre Filina.

Dort stand Filina, umgeben von Olivenbäumen im Schatten und graste genüsslich auf der Wiese. Die Leine lag locker im Gras und sie machte einen zufriedenen und entspannten Eindruck. Lilly war glücklich ihr Pferd so friedlich zu sehen und setzte sich zu ihm.

 

Filina honorierte ihre Anwesenheit mit einem freudigen Wiehern.

 

Als die Sonne sich langsam senkte, nahm Lilly Filina an die Leine und führte sie zum geheimen Garten zurück. Lilly bedankte sich bei allen Wächtern, schwang sich auf Filina und ritt nach Hause. Dies war ein besonderer Ort, das spürte Lilly und versprach ihrem Pferd, den geheimen Garten regelmäßig zu besuchen, denn hier waren weder Hektik oder laute Stimmen, es war einfach nur wundersam still und wohltuend, hier zu sein.